Eigenkapitalrentabilität

Eigenkapitalrentabilität Definition

Die Eigenkapitalrentabilität bzw. Eigenkapitalrendite als eine Form der Kapitalrentabilität bezeichnet die – sich i.d.R. von Jahr zu Jahr verändernde – "Verzinsung" des eingesetzten Eigenkapitals, ausgedrückt in %.

Die Eigenkapitalrentabilität berechnet sich mit der Formel: Gewinn / Eigenkapital. Eine Eigenkapitalrentabilität von 10 % besagt z.B., dass ein Unternehmen auf ein eingesetztes Eigenkapital von 1 Mio. € einen Gewinn von 100.000 € erzielt.

Durch den sogenannten Leverage-Effekt kann die Eigenkapitalrendite erhöht werden.

Die Eigenkapitalrendite entspricht nicht zwingend der Rendite des Eigenkapitalgebers, z.B. des Aktionärs — dessen Rendite ist davon abhängig, was er für seine Anteile bezahlt hat.

Alternative Begriffe: Eigenkapitalverzinsung, EK-Rendite, EK-Rentabilität, Return on Equity (RoE), Rentabilität des Eigenkapitals, Unternehmerrentabilität.

Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalkosten

Man geht davon aus, dass Eigentümer (z.B. Aktionäre) eine bestimmte Rendite (z.B. 10 %) fordern und spricht deshalb auch von Eigenkapitalkosten: möchte ein Unternehmen Eigenkapital aufnehmen, muss es den Investoren diese Rendite bieten – das Eigenkapital ist also (ebenso wie ein Kredit) mit Finanzierungskosten verbunden.

Aussage bzw. Interpretation der Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität ist – neben z.B. der Gesamtkapitalrentabilität und dem Cashflow – eine der Kennzahlen, die die Ertragskraft des Unternehmens messen soll.

Die Aussage einer hoher Eigenkapitalrendite liegt in einem aus Sicht des Eigentümers erfolgreichen Unternehmen.

Die Eigenkapitalrentabilität sollte höher ausfallen als die Rendite anderer langfristiger Anlagen (z.B. Bundesanleihe), da der Eigentümer für die Übernahme des unternehmerischen Risikos eine im Vergleich zu sicheren Anlagen höhere Vergütung (Risikoprämie) erhalten muss.

Eigenkapitalrentabilität Formel

Die Eigenkapitalrendite lässt sich nach folgender Formel berechnen:

Eigenkapitalrentabilität = Gewinn / Eigenkapital.

Gewinn: Jahresüberschuss nach Steuern

Der Gewinn (Zähler der Formel) entspricht dabei in der Regel dem in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens ausgewiesenen Jahresüberschuss nach Steuern.

Abzug des Unternehmerlohns bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften

Bei Einzelunternehmen sollte vom Gewinn der kalkulatorische Unternehmerlohn abgezogen werden, um Vergleiche mit Kapitalgesellschaften zu ermöglichen.

Hintergrund: Während bei Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH, AG) das Gehalt des Geschäftsführers bzw. Vorstands als Aufwand verbucht wird und damit den Gewinn mindert, kann ein Einzelunternehmer sich selbst kein Gehalt bezahlen. Der Einzelunternehmer "lebt" vom Gewinn.

Das gilt analog auch für Personengesellschaften (z.B. OHG, KG).

Eigenkapital

Das Eigenkapital (Nenner der Formel) kann der Bilanz entnommen werden: es entspricht den Bilanzposten des § 266 Abs. 3 A. HGB.

Dabei wird beim Eigenkapital

  • teilweise auf den Endbestand (d.h. in der Regel zum 31. Dezember des Geschäftsjahrs),
  • teilweise aber auch auf den Anfangsbestand (d.h. in der Regel zum 1. Januar des Geschäftsjahrs) oder
  • auf ein durchschnittliches Eigenkapital während des Geschäftsjahrs abgestellt.

Eigenkapitalrendite im Konzern

Wird die Eigenkapitalrentabilität auf Basis der Werte eines Konzernabschlusses ermittelt, werden i.d.R. sowohl beim Gewinn als auch beim Eigenkapital die Minderheitenanteile einbezogen.

Beispiel Eigenkapitalrentabilität

Beispiel: Eigenkapitalrentabilität berechnen

Ein Unternehmen der Immobilienbranche weist auf der Aktivseite seiner Bilanz ausschließlich eine vermietete Immobilie im Wert von 1 Mio. € aus. Das Unternehmen ist vollständig mit Eigenkapital finanziert.

Bilanz zum 1. Januar zur Berechnung der Eigenkapitalrentabilität
Aktiva   Passiva  
1.000.000 € 1.000.000 €

Aus der Immobilie ergibt sich ein jährlicher Gewinn in Höhe von 80.000 €, der sich als Saldo der Mieterträge in Höhe von 100.000 € sowie der Abschreibung in Höhe von 20.000 € ergibt (weitere Kosten und auch Steuern seien der Einfachheit halber an dieser Stelle vernachlässigt).

Die (verkürzte) Gewinn- und Verlustrechnung sieht dann so aus:

  Mieterlöse 100.000 €
- Abschreibungen -20.000 €
= Gewinn / Jahresüberschuss 80.000 €

Berechnung der Eigenkapitalrentabilität

Berechnung der Eigenkapitalrentabilität auf Basis des Eigenkapitals zum Jahresanfang

Die Eigenkapitalrendite auf Basis des Eigenkapitals zum Jahresanfang berechnet sich im Beispiel nach folgender Formel:

Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital = 80.000 € / 1.000.000 € = 0,08 = 8 %.

Berechnung der Eigenkapitalrentabilität auf Basis des Eigenkapitals zum Jahresende

Angenommen, die Mieterlöse von 100.000 € liegen auf dem Bankkonto; die Abschreibungen in Höhe von 20.000 € haben das Anlagevermögen auf 980.000 € Buchwert gemindert und das Eigenkapital hat sich durch den Jahresüberschuss von 80.000 € auf 1.080.000 € erhöht.

Dann sieht die Bilanz zum Jahresende so aus:

Bilanz zum 31. Dezember zur Berechnung der Eigenkapitalrentabilität
Aktiva   Passiva  
980.000 € 1.080.000 €
100.000 €  

Die Eigenkapitalrendite auf Basis des Eigenkapitals zum Jahresende berechnet sich entsprechend nach folgender Formel:

Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital = 80.000 € / 1.080.000 € = 0,074 = 7,4 %.

Problemfelder der Eigenkapitalrentabilität

Rechnungslegung als Basis der Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität setzt Größen des Jahresabschlusses in ein Verhältnis zueinander.

Bilanzieren Unternehmen nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards (z.B. HGB oder IFRS), so ergeben sich daraus unter Umständen unterschiedliche Gewinne und/oder Eigenkapitalwerte.

Dies gilt analog auch für den Fall, dass Unternehmen zwar nach denselben Rechnungslegungsstandards bilanzieren, jedoch z.B. andere Abschreibungsmethoden oder Nutzungsdauern anwenden und dadurch der Gewinn (Zähler der Formel) beeinflusst und damit eine Vergleichbarkeit von Unternehmen beeinträchtigt wird.

Beeinflussung durch Leverage-Effekt

Die Höhe der Eigenkapitalrentabilität wird durch den sogenannten Leverage-Effekt beeinflusst und kann somit "manipuliert" werden.