Definition
Die Vorratsquote bzw. Vorratsintensität bezeichnet das Verhältnis des Buchwerts der Vorräte zum Gesamtvermögen (der Bilanzsumme).
Die Kennzahl ist unter anderem ein Maßstab für die Kapitalbindung durch die Lagerhaltung, da Unternehmen die Vorräte vorfinanzieren müssen.
Alternative Begriffe: Lagerintensität.
Formel
Die Formel für die Vorratsquote lautet:
Vorratsquote = Vorräte / Gesamtvermögen.
Beispiel: Vorratsquote berechnen
Zum 31. Dezember 01 liegt für ein Unternehmen folgende Bilanz in T€ (Tausend Euro) vor:
| Aktiva | Passiva | ||
|---|---|---|---|
| Anlagevermögen | 840 | Eigenkapital | 500 |
| Umlaufvermögen | Fremdkapital | ||
| Vorräte | 60 | Pensionsrückstellungen | 200 |
| Forderungen aus L+L | 40 | Verbindlichkeiten aus L+L | 100 |
| Kasse, Bank | 60 | Bankdarlehen (> 1 Jahr) | 200 |
| 1.000 | 1.000 |
Der Buchwert der Vorräte zum Bilanzstichtag am 31. Dezember 01 ist 60 T€, das Gesamtvermögen bzw. die Bilanzsumme ist 1.000 T€ (= 1 Mio. €).
Die Vorratsquote beträgt somit 60 T€ / 1.000 T€ = 0,06 = 6 %.
Interpretation
Die Vorratsquote spiegelt einen Teil der Betrachtung der Umlaufintensität wider. Deshalb sei zum einen auf die dortige Erläuterung verwiesen.
Eine hohe / gestiegene Vorratsintensität kann verschiedene Ursachen und Bedeutungen haben:
- ein hoher Lagerbestand führt zu hohen Lagerhaltungskosten (Kapitalbindung, Raumkosten);
- das Abverkaufsrisiko steigt mit hohen Lagerreichweiten (Beispiel: 100 Stück auf Lager, 20 werden nur pro Jahr verkauft);
- rückläufige Umsätze führen zum Lageraufbau;
- das Unternehmen rechnet mit höheren Verkäufen und bereitet sich darauf vor;
- das Unternehmen legt Vorräte an, um sich gegen erwartete Engpässe oder Preissteigerungen (zum Beispiel bei Rohstoffen) zu wappnen.
Es gibt also positive und negative Interpretationen; insofern muss man den Ursachen nachgehen. Tendenziell haben Handelsunternehmen (Supermärkte, Baumärkte, Online-Händler) natürlich größere Vorräte und Vorratsquoten als etwa Industrieunternehmen (die dafür mehr Anlagevermögen wie Fabriken oder Maschinen haben).
Fazit
- Vorratsquote = Vorräte / Gesamtvermögen — zeigt die Kapitalbindung durch Lagerhaltung
- Hohe Vorratsquote kann positive (Vorbereitung auf Wachstum) oder negative (Absatzprobleme) Ursachen haben
- Handelsunternehmen weisen strukturell höhere Vorratsquoten auf als Industrie- oder Dienstleistungsunternehmen
- Die Vorratsquote ist Teil der Umlaufintensität; für die Beurteilung sollte die Lagerreichweite (DIO) ergänzend berechnet werden
- Alternative Begriffe: Lagerintensität, Vorratsintensität
Selbsttest: Vorratsquote
Aufgabe: Vorratsquote berechnen und Veränderung interpretieren
Ein Baustoffhändler weist zum 31.12. eine Bilanzsumme von 3.000.000 € aus; darin enthalten sind Vorräte (Baumaterialien) in Höhe von 1.050.000 €. Im Vorjahr betrugen die Vorräte 750.000 € bei einer Bilanzsumme von 2.500.000 €.
a) Berechnen Sie die Vorratsquote für das aktuelle und das Vorjahr. b) Bewerten Sie die Veränderung: Nennen Sie je eine positive und eine negative mögliche Ursache.
a) Vorratsquoten:
Aktuell: 1.050.000 / 3.000.000 = 35 %
Vorjahr: 750.000 / 2.500.000 = 30 %
Die Vorratsquote ist um 5 Prozentpunkte gestiegen.
b) Mögliche Ursachen:
Positiv: Das Unternehmen stockt Lagerbestände auf, um sich auf steigende Baunachfrage oder erwartete Materialknappheit vorzubereiten.
Negativ: Rückläufige Bauaufträge haben zu einem ungeplantem Lageraufbau geführt; die Lagerhaltungskosten steigen und das Abverkaufsrisiko nimmt zu. Zur Klärung ist der Blick auf die Umsatzentwicklung und die Lagerdauer (DIO) erforderlich.