Definition
Eine Option räumt das Recht ein, eine bestimmte Sache zu einem bestimmten Zeitpunkt (oder innerhalb eines festgelegten Zeitraums) zu einem fest vereinbarten Preis zu beziehen (Optionen werden auch als bedingte Termingeschäfte bezeichnet).
Alternative Begriffe: Optionsgeschäft.
Beispiel
Option Beispiel
Ein Unternehmen, das für seine Produktion Rohöl benötigt, erwirbt Anfang des Jahres 2014 die Kaufoption (sogenannter call), zum 30. Juni 2014 eine Mio. Barrel Öl zu einem Preis von 100 US-Dollar je Barrel zu beziehen.
Steht der Marktpreis für Rohöl am 30. Juni bei 80 US-Dollar, wird es die Option nicht nutzen, sondern das Rohöl günstiger auf dem Markt beziehen; steht der Marktpreis hingegen bei z.B. 120 US-Dollar, wird es die Option nutzen.
Das Unternehmen sichert sich so gegen steigende Rohstoffpreise ab: es kann damit planen, dass das Rohöl maximal 100 US-Dollar je Barrel kostet. Diese Absicherung kostet natürlich etwas: die Gegenpartei (sog. Stillhalter), die das Öl zu dem Preis liefern muss, erhält dafür eine Gebühr bzw. sog. Stillhalterprämie. Wird die Option nicht eingelöst, ist das der "Gewinn" des Stillhalters. Wenn die Option hingegen eingelöst wird und der Stillhalter das Öl zum 30. Juni noch nicht hat, muss er es auf dem Markt für 120 US-Dollar kaufen und dann für 100 US-Dollar weiterreichen (oder die Differenz von 20 US-Dollar direkt ausgleichen, sog. cash settlement bzw. Barausgleich).
Optionen können sich auch auf Währungen oder Wertpapiere beziehen; sie sind eine Alternative zu Termingeschäften.
Neben den genannten Kaufoptionen gibt es auch Verkaufsoptionen (sog. put), mit denen zu einem bestimmten Preis verkauft werden kann.
Europäische vs. Amerikanische Option
Eine sogenannte Europäische Option kann nur am Ende der Laufzeit (also an einem bestimmten Datum), eine sogenannte Amerikanische Option kann während der gesamten Laufzeit der Option (also an vielen möglichen Tagen) ausgeübt werden. Es handelt sich dabei nur um gängige Bezeichnungen, natürlich kann auch eine von einer US-Bank auf einen US-Dollar-Basiswert ausgegebene Option eine Europäische Option, also nur am Laufzeitende auszuüben, sein.
Um welchen Typ es sich handelt, legen die Optionsbedingungen fest. Üblich – und für den Inhaber wertvoller – ist die Amerikanische Option.
Fazit
Eine Option räumt dem Käufer das Recht ein, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem vereinbarten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Liegt der Marktpreis günstiger, verfällt die Option einfach — das Verlustrisiko des Käufers ist auf die gezahlte Prämie begrenzt. Der Stillhalter auf der Gegenseite erhält die Prämie und trägt dafür das unbegrenzte Lieferpflicht-Risiko.
Selbsttest: Option
Aufgabe: Kaufoption auswerten
Die Alpha GmbH erwirbt eine Kaufoption (Call) auf Rohöl:
| Basiswert | 200.000 Barrel Rohöl |
| Vereinbarter Optionspreis (Strike) | 100 US-Dollar je Barrel |
| Stillhalterprämie | 3 US-Dollar je Barrel |
- Der Marktpreis liegt bei Fälligkeit bei 85 US-Dollar. Übt die Alpha GmbH die Option aus? Begründen Sie.
- Der Marktpreis liegt bei Fälligkeit bei 115 US-Dollar. Wie hoch ist der Barausgleich (cash settlement) des Stillhalters?
- Wie hoch ist der effektive Preis je Barrel für die Alpha GmbH in Szenario 2 (inkl. Prämie)?
Lösung
1. Marktpreis 85 US-Dollar (unter Strike 100 US-Dollar):
Nein — die Option wird nicht ausgeübt. Die Alpha GmbH kauft Rohöl günstiger direkt am Markt (85 US-Dollar). Die gezahlte Prämie (3 × 200.000 = 600.000 US-Dollar) ist verloren.
2. Barausgleich bei Marktpreis 115 US-Dollar:
(115 − 100) US-Dollar × 200.000 Barrel = 15 × 200.000 = 3.000.000 US-Dollar
3. Effektiver Preis je Barrel (inkl. Prämie):
Strike-Preis: 100 US-Dollar
+ Prämie: 3 US-Dollar
= 103 US-Dollar effektiv je Barrel
(Ersparnis gegenüber Marktpreis: 115 − 103 = 12 US-Dollar je Barrel)